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Die Grabsteine der Stadtpfarrkirche St. Stephan in Tulln

Standorte der Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln

Illustration: Standorte der Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln
Grabstein Flockwitz
1. FLOCKWITZ Grabplatte (Epithaph)
StandortPresbyterium, rechts; zum Teil unter dem Chorgestühl
MaterialRoter Marmor
Größe90 x 75 cm sichtbar
TextHIR RUH ICH BIS DIE ZEIT ... RICHT
DAS MICH GOTT ZUM GERICHT ERWECKT.
GESTORBEN DEN 20. FEBRUARY
1750
AnmerkungLaut Sterbematrik Anna Maria Flockwizin, 32 Jahre alt.
Über die Tote ist weiter nichts bekannt.
Der Stein ist wegen des darübergestellten Chorgestühls nicht weiter lesbar.
LiteraturKerschbaumer 2, 337, Biack 2, 469
Frühere StandorteKeine; der Stein liegt seit der Erstnennung bei Baier und Kerschbaumer 1, 473 in situ.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
Foto: PUTSCHAR Grabplatte (Epithaph)
2. PUTSCHAR Grabplatte (Epithaph)
StandortPresbyterium, links; zum Teil unter dem Chorgestühl
MaterialRoter Marmor
Größe105 x 50 cm sichtbar
TextADAMVS PVTSCHAR
DECANVS TVLLNENSIS HANC SVI MEMORIAM

Übersetzung: Adam Putscher, Dechant von Tulln, diese Erinnerung an sich
AnmerkungAdam Putscher, apostolischer Protonotar und Hofkaplan, seit 1632 Pfarrer in Tulln, wo er 1639 starb.
Der Stein ist wegen des darüberstehenden Chorgestühls nicht weiter lesbar.
LiteraturKerschbaumer 2, 337; Biack 2, 469
Frühere StandorteDer Stein liegt seit der Erstnennung bei Baier und Kerschbaumer 1, 473 in situ.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
 
3. HOFFMANN Grabplatte (Epithaph)
StandortDer Stein ist verschollen.
MaterialKehlheimerplatte
GrößeNicht bekannt
TextAlhier ruhet in Gott der Edl
und gestrenge Herr Franz
Hoffmann der Zeit Kay.
Stattrichter in Tulln
Seines alters 46 Jahr und ist begraben worden
den 14. Aug. Anno 1685.
(nach Baier)
AnmerkungHoffmann war 1683 bis 1685 Stadtrichter und nahm als
solcher an der Verteidigung 1683 namhaften Anteil.
Er starb durch einen Messerstich, den ihm der Pfarrvikar
Philipp Lang im Streit beim Festmahl am Fronleichnamstag
zugefügt hatte. Lang war Vikar für Jodok Höpfner
(Nr. 7; Biack 2, 446)
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 473) beim rechten Seitenaltar,
seit 1979 nach Biack 2 in der Marienkapelle, jedoch nicht auffindbar.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
 
4. VHEDL Grabplatte (Epithaph)
StandortDer Stein ist verschollen.
Material-----
Größe-----
TextDie I. Feb. 1707 in Dño obiit R. V. Joa. Henr. VEDEL. V. T.
(nach Baier)
AnmerkungNach Kerschbaumer das Grab von Heinrich Vhedl, Pfarrvikar in Tulln.
Vhedl war Pfarrvikar seit 1694 und starb am 1. Februar 1707 (Kerschbaumer).
Im – allerdings lückenhaften – Verzeichnis der Pfarrer und Vikare (Biack 2, 446 ff) scheint er jedoch nicht auf.
LiteraturKerschbaumer 1, 473; Biack 2, 469
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 473) beim linken Seitenaltar.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
5. POCK Grabplatte (Epitaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe185 x 90 cm
TextREQUIESCAT A LABORIBVS SVIS
ES RUHET VON SEINER ARBEIT
ALHIER
IN FRIEDEN
DER WOHL EDL GEBOHRNE HERR
IOANNES GEORGIUS POCK
GEWESTER GLAS MEISTER UN BURGER
DER
LANDESFÜRSTL. STAT TULLN
WELCHER
(...) IM HERRN ENTSCHLAFEN
DEN 22; FEBRUAR
ANNO CHRISTI 1760
SEINES ALTERS 55 (JAHR)
ÜbersetzungEr möge von seinen Mühen (aus) ruhen
AnmerkungÜber Pock ist weiter nichts bekannt.
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 474) im Kirchenschiff nächst den Stufen zum Presbyterium, seit 1979 in der Marienkapelle.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
6. AIGL Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe157 x 70 cm
TextAno Dni 1541 am Mi
twoch nach unser lieb
frau geburt d 14. Tag
Sebtemer starb die edl
vnd tugenthaft fraw
Ana geborne Aiglin
ds edle vnd Vesten
jungen Schattmanns
der zeyt d stift pasaw
rentmaister in öster
reich kluge hausfrau

(Darunter zwei Wappen: ein gehörnter Widderkopf und zwei in der Form eines Andreaskreuzes gestellte Hauen.)

Der got genat Amen
AnmerkungKeine zusätzlichen Informationen bekannt.
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 474) „an den Frauenstühlen“ (also vor dem linken Seitenaltar), seit 1979 in der Marienkapelle.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
 
 
7. BRENDT Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe220 x 120 cm
TextD(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) STA FLE MIRARE VIATOR
SVB HOC GELIDO MARMORE CONDITVR
ILLmVSTRIS ET REVERENDIS DOM(INVS) DOM(INVS IODOCVS A BRENDT DICTVS HOPFFNER FRANCO SALICVS S. C. M. ET QVONDAM SERENIS AC CELSIS ARCHIDVCIS AVSTRIAE LEOPOLDI GVILIELMI RE SPECTIVE INTIMVS ET CELSISSIMORVM S. R. I. P. EPISCOPORVM PAS SAVIENSIVM CONSILIARIVS OLIM ROMAE CAESAREVS PER DECENNIVM RESIDENS ABLEGATVS REDVX OFFICIALIS PASSAVIENSIS DIOECESEQ[E] SVFFRAGANEVS DECANVS TVLNENSIS S(ANCTISSIMAE) THEOLOGIAE DOCTOR ECCE!
IACET NVNC ELINGVIS IN VITA SEPTILINGVIS ETENIM GERMANICE, LATINE, ITALICE, GALLICE, HISPANICE, GRAECE ET HEBRAICE LOQVEBATVR HIC
MVLTA ROMAE IN TOGA, ET SAGO IN BELGIO PLVRIMA BRVXELLAE CONSILIO VIENNAE INDVSTRIA ARGENTINAE CON(N)ATV PATAVII CVRA ET STUDIO LVCVLE(N)TER SVPERAVIT, GESSIT, EFFECIT DENIQVE
ANNORVM OCTOGINTA ET SVPRA VIRIVM DESTITVTVS, INTELLECTV TAMEN SAGACISSIMVS, DIEBVS LXXXVI CARNE INFIRMVS SPIRITV AVTEM IN DEO FIRMISSIMO
XXIII FEBRVARIJ CATARRHO SVFFOCATVS EST VERVS PATER PAVPERVM SVORVMQVE CLEMENS BENEFACTOR EIVS ORTVM, SAPIENTIAM, DOCTRINAM, STATVM, GRADVM, FORTVNAM MERITA INCORRVPTAMQVE FIDEM PAVCIS NOSTI Q(VI) SEMPER CVPIVIT DISSOLVI ET ESSE CVM CHRISTO
MONVMENT[VM] POSVERVNT NEPOTES HEREDES AN NO IN QVO BVDA INGENTI FVSO SAN GVINE POSTLIMINIO REVERSA EST CHRISTIANITATI
ÜbersetzungGott dem Besten und Größten.
Steh, weine, staune, Wanderer, unter diesem kalten Marmor ruht der Erlauchte und Hochwürdige Herr, Herr Jodok von Brendt, genannt Hoppfner, aus Franken an der Saale. Einst sowohl der erhabenen kaiserlichen Majestät respektive des hochgnädigen und hocherhabenen Erzherzogs von Österreich Leopold Wilhelm enger Vertrauter als auch Berater der allerhöchsten Bischöfe von Passau, auch Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, einst in Rom 10 Jahre residierend als kaiserlicher Gesandter, zurückberufen als Offizial von Passau und Weihbischof der Diözese, Dekan von Tulln, Doktor der heiligen Theologie.
Sieh! Nun liegt er sprachlos, der im Leben siebensprachig war, denn er sprach Deutsch, Latein, Italienisch, Französisch, Spanisch, Griechisch und Hebräisch.
Er hat viel in Rom im Frieden und im Krieg, sehr viel in Belgien durch seinen Rat in Brüssel, seinen Fleiß in Wien, in Straßburg durch seine Bemühungen, in Passau durch seine Fürsorge und seinen Eifer tüchtig überwunden, ausgeführt und gewirkt.
Schließlich verließen ihn im Alter von über 80 Jahren zwar seine Körperkräfte, dennoch war er geistig ungebrochen frisch; 86 Tage war er dem Fleisch nach schwach, sein Geist aber war fest in Gott. Am 23. Februar erstickte er an einem Katarrh.
(Er war) ein wahrer Vater der Armen und ein gütiger Wohltäter der Seinen. Seine Herkunft, Weisheit, Bildung, seinen Stand und Rang, sein Geschick, seine Verdienste und seinen unverfälschten Glauben hat du mit wenigen Worten kennengelernt.
Er wünschte immer loszukommen und mit Christus zu sein. Das Grabmal setzten die Neffen, seine Erben, im Jahr, in dem Buda nach ungeheurem Blutvergießen nach dem Heimkehrrecht zum Christentum zurückkehrte.
AnmerkungAnklänge an Paulus: „carne infirmus, spiritu firmissimo“ – Zitat aus Phil. 1, 23: (desiderium habens) dissolvi et cum Christo esse…
„incorrupta fides“ bezieht sich möglicherweise auf die katholische Restauration in Niederösterreich, für die auch Höpfner verantwortlich war.
Das Wappen ist in vier Felder geteilt: in zweiten ist ein Band (vielleicht ein Fluss?) dargestellt, das erste zeigt einen Biber, das letzte ein Hirschgeweih. Das Chronogramm am Ende der Inschrift ergibt das Jahr 1686.
Um den Todestag des Bischofs versammelt sich alljährlich heute noch die Verwandtschaft am Grabe des berühmten Familienmitgliedes.
Angaben zur Biographie: Geboren am 28.10.1606 in Brendt bei Neustadt (Franken); Studium der Theologie und 1631 Priesterweihe in Würzburg; Studium des kanonischen Rechtes in Rom an der Sapienza (Dr. iur. can.). In Rom trat Brendt in den Dienst des Passauer Fürstbischofs Leopold Wilhelm von Österreich. Seine Begabung und seine guten Sprachkenntnisse befähigten ihn zum diplomatischen Dienst. 1658 bestellte Leopold Wilhelm ihn zum Offizial und Generalvikar des Bistums Passau für das Land unter der Enns. Schon seit 1644 Dekan und Stadtpfarrer von Enns, wurde er 1668 auch Dekan der Theologischen Fakultät in Wien. Er war ferner Propst des Kollegiatstiftes Mattsee. Unter Fürsterzbischof Thun wurde Brendt am 19.5.1670 zum Titularbischof von Lampsacus und Weihbischof in Passau ernannt und am 3.8.1670 durch Thun konsekriert. Als Ausstattung wurde ihm die Pfarrei Tulln (Niederösterreich) verliehen. Am 1.2.1671 legte er das Amt des Offizials nieder. 1682 Resignation auf das Amt des Weihbischofs und des Propstes von Mattsee; + 23.2.1686 in Tulln; begraben in Tulln.
Angaben zur BiographieGeboren am 28.10.1606 in Brendt bei Neustadt (Franken); Studium der Theologie und 163 1 Priesterweihe in Würzburg; Studium des kanonischen Rechtes in Rom an der Sapienza (Dr. iur. can.). In Rom trat Brendt in den Dienst des Passauer Fürstbischofs Leopold Wilhelm von Österreich. Seine Begabung und seine guten Sprachkenntnisse befähigten ihn zum diplomatischen Dienst. 1658 bestellte Leopold Wilhelm ihn zum Offizial und Generalvikar des Bistums Passau für das Land unter der Enns. Schon seit 1644 Dekan und Stadtpfarrer von Enns, wurde er 1668 auch Dekan der Theologischen Fakultät in Wien. Er war ferner Propst des Kollegiatstiftes Mattsee. Unter Fürsterzbischof Thun wurde Brendt am 19.5.1670 zum Titularbischof von Lampsacus und Weihbischof in Passau ernannt und am 3.8.1670 durch Thun konsekriert. Als Ausstattung wurde ihm die Pfarrei Tulln (Nieder österreich) verliehen. Am 1.2.1671 legte er das Amt des Offizials nieder. 1682 Resignation auf das Amt des Weihbischofs und des Propstes von Mattsee; + 23.2.1686 in Tulln; begraben in Tulln.
LiteraturAugust Leidet, in: Gatz Erwin: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1648-1803, Berlin 1990.
Kerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteDer Stein liegt sicher seit der Erstnennung bei Baier und Kerschbaumer 1, 474 und wohl auch seit jeher in situ.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025, Martin Schachermayer – März 2025
8. STADLMANN Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialKehlheimer Großplatte
Größe100 x 80 cm
TextHier ruhet
der Woledl gestrenge
Herr Johann Ernst Stadlmann
gewester N.Oe. Landschafts Buchhalterey Raitt Officier.
Im 73. Jar seines Alters gestorben
am 19. Juli des 1764 Jars.
Herr, lasse ihn ruhen in Frieden.
Amen.
AnmerkungNach Kerschbaumer ein gebürtiger Tullner und Wohltäter der Kirche.
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteDer Stein lag bei seiner Erstnennung in der Marienkapelle rechts (Baier, Kerschbaumer 1, 474), seit 1979 dort aufgestellt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
9. HOHENFELD Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe63 x 49 cm
TextHIE LIGT MARGARETA KATARINA VON HOHENFELD DES WOLEDL GEBORENEN HERRN WOLF LUDWIGS VON HOHENFELD
AUCH DER WOLGEBORENEN FRAWEN JUSTINAE REGINAE VON HOHENFELD GEBORENEN HERRIN VON PVCHAIM EHELEIBLI(CHE)S TÖCHTERLEIN
….AV 1646 IN TULLN AUFF DIESE WELT GEBOREN DEN 25. JULI 1646 WIDER IN CHRISTO JESU SEI NEM ERLÖSER SEELIGLICH ENTSCHLAFFEN DEM GOTT GNAD.
(Totenkopf links und rechts, in der Mitte ein Wappen, viergeteilt, mit heraldischem Schmuck)
AnmerkungDer Stein ist leicht beschädigt; Kerschbaumer las als Geburtsdatum noch: 7. Mai 1646.
Von einer adeligen Familie Hohenfeld ist in der Umgebung nichts bekannt.
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 469
Frühere StandorteDer Stein lag bei der Erstnennung (Baier, Kerschbaumer 1, 474) „auf der Evangelienseite der Josefikapelle“, das ist in der Marienkapelle links; heute ist er dort aufgestellt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoMartin Schachermayer – März 2025
10. REINDL Grabplatte (Epithaph)
Standortin der Pfarrkirche im südlichen Seitenschiff (Thomas Kapelle)
MaterialSandstein
Größeca. 100 x 50 cm, oval
TextHer Llgt Marla sophla RelnDLln eine Wlttlb so In Chrlsto Ihren gelst aufgegeben. In helLlgen nICoLaI AbenD VMb Vler Vhr In Vergangen lahr. AChtVnD seChzlg lahr lhr Lebenszeit VoLLbraChte ste tVgenDLlCh. lezt beLohne ste Vnser ErLeser aVf soLChe Artn kann Vnser Liebe sophla Wie elne In gott seLlg gestorbne fröhLlCh hernaCh IM Lezten tag LaChen Proverb. c 31 v 26.
(Auf den beiden Oberseiten des Epitaphs lehnen sich zwei Knochenmänner in erhabener durchbrochener Arbeit; unten schweben zwei Engel, deren rechter ein aufgeschlagenes Buch hinhält mit den Worten: Supplicato. Es bitt Maria Sophia umb ein Andechtigs Vatter unser und Ave Maria.)
Anmerkung1. Maria Sophia Reindl war die Witwe des "Waldamts Offiziers" und Först ers in Tulbing, Johann Gotthart Reindl (also des kaiserlichen Forstamtsleiters). Sie starb laut Sterbematrik (PA Tulln, 3/6) am 5. Dezember 1727 an "Wundwassersucht" und wurde am 7. Dezember begraben. Ihr Alter gibt die Matrik mit 73, das Epitaph aber mit 68 Jahren an. 2. Ein Unikat ist der Nachsatz in der Matrik "piissime vixit, piissime mortua". Maria Sophia war offenbar eine fromme Frau. 3 Proverbia 31/26 lautet: "Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug, und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge." Der Bibe lvers paßt gut auf die fromme Witwe; warum er aber nur zitiert und nicht ausgeschrieben ist, und warum die letzten fünf Wörter des Chronogramms unterstrichen sind, bleibt offen. 4. Unerklärlich scheint auch das Chronogramm: Schon ein Chronogramm in deutsch er Sprache ist eine Seltenheit. Zählt man aber die Zahlenzeichen zusammen (W ist als V V, also 2 x 5, zu lesen), so erhält man die Zahl 6906; zieht man davon 1727 ab, so erhält man 5179. Da im Text der Todestag, ja die Todesstunde, nicht aber das Jahr ausdrücklich angegeben ist, so ist davon auszugehen, daß das Chronogramm das Todesjahr in verschlüsselter Form angibt. Frage: In welcher Jahresrechnung oder Ära, und wozu überhaupt eine Verschlüsselung? Nach Grotefend5 kommen drei Ären in Frage: Die Byzantinische (5508 v. Chr.), die jüdische (heute mit 3760 v. Chr. gerechnet) und die des Hieronymus (5199 v. Chr.); letztere ist jene, die gemäß der Bibelübersetzung des Hieronymus die Erschaffung der Welt auf dieses genannte Jahr festlegt. Diese Ära verwendet auch das Römische Martyrologium (man vergleiche die dortige Einleitung zum Weihnachtsfest). Auf die hier vorliegende Zahl paßt keine der drei Ären 6 ; da aber die des Hieronymus der Zahl am näc hsten kommt, könnte nach dieser gerechnet worden sein. Die fehlenden zwanzig Jahre müßten dann auf einem Irrtum beruhen (sicher ein schwaches Argument) oder die beiden W sind nicht als V + V (als 5 + 5), sondern als X + X (also 10 + 10) zu lesen; dann näml ich erhielte man 5199. Dividiert man das sonderbare Chronogramm 6906 durch 4, so erhält man ( fast) das Todesjahr, nämlich 1726,5. Solche Vervielfachungen des Sterbejahres waren im Barock nicht unüblich; wenn überhaupt, wird aber mit drei multipliziert. 17 27 mal 3 ergibt aber nur 5181, wobei man allerdings sehr in die Nähe der Zahl 5179 siehe oben käme, jedoch nicht in die Nähe des Chronogramms von 6906. Wieso also mit 4 multipliziert wurde, was in vergleichbaren Fällen nicht vorkommt, und ob überhaupt multipliziert wurde, bleibt offen. Auf jeden Fall aber liegt eine verschlüsselnde Zahlenspielerei vor. Zwei Lösungsvorschläge für diese seltsame Inschrift bieten sich an: 1. Die Verschlüsselung ist eine reine Zahlenspielerei, hinter der nichts anderes ste ckt, als die barocke Lust am Schnörkel hier eben ein mathematischer Schnörkel. 2. Die Verschlüsselung hat einen Zweck; dann ist zu fragen: Was war denn an der Verstorbenen im frühen 18. Jahrhundert zu verschlüsseln? Betrachtet man das letzte Wort des Tex tes "lachen", so ist es für ein Epitaph sehr unüblich. Dann aber folgt das nicht ausgeschriebene Zitat aus dem Alten Testament, Buch der Sprüche. Dieser Vers stammt aus dem Schluß des Buches, welcher in 21 Versen die tüchtige Frau (gemeint ist eine jüd ische Ehefrau) preist. Da hier zweimal das Alte Testament zitiert wird (Buch der Sprüche und Zeitrechnung nach Erschaffung der Welt) könnte man folgern: Maria Sophia Reindl war eine getaufte Jüdin, sie stammte daher gewissermaßen "aus dem Alten Testament". Sie starb mit 73 Jahren; der Text des Epitaphs nennt jedoch 68 Jahre; er sagt aber nicht, daß sie so alt geworden sei, sondern "68 Jahre ihrer Lebenszeit verbrachte sie tugendlich". Und die anderen fünf nicht? Da liegt doch nahe, daß sie erst mit fünf Jah ren getauft wurde. Dazu paßt, daß sie mit einem kaiserlichen Förster und Waldamts Leiter, also einem eher welterfahrenen Mann, verheiratet war. Sie dürfte ihre Witwenjahre in Tulln verbracht haben, sonst wäre sie nicht hier begraben worden. Allerdings sche int der Name Reindl unter den Hausbesitzern nicht auf. Das doppelte "piissime" in der Sterbematrikel bezieht sich wohl auf ihre Frömmigkeit; hier könnte auch verschlüsselt betont werden, daß die Verstorbene trotz ihrer Herkunft eine kirchenfromme Frau war. lhre Ehe mit einem kaiserlichen Beamten erlaubte die Setzung eines Epitaphs in der Kirche. Hinter diesen Tatsachen muß auch eine gewisse Wohlhabenheit gestanden sein. Ihre Erben oder Kinder (wer sonst?) setzten ihr ein Jahr später (vgl. Text) den kunstvol len Stein. Dabei erlaubten sie sich den "Witz", die Abstammung der Verstorbenen nicht zu verschweigen, sondern verschlüsselt im Epitaph darzustellen. Vielleicht klingt sogar eine kleine "Chuzpe" mit, nach dem Wort: Wer zuletzt lacht, lacht am besten (nämli ch Maria Sophia, die geborene Jüdin, auf die die "geborenen" Christen so gerne herabsahen); wohl deshalb sind die beiden letzten Zeilen auch unterstrichen. Der bloße Hinweis auf Prov. 31, 26 könnte wieder eine kleine Verschlüsselung sein, denn immerhin muß der Leser in der Bibel nachsehen, was im 18. Jahrhundert für den Laien nicht leicht war, da er die Bibel weder im Originaltext noch in wörtlicher Übersetzung lesen durfte. Zur Zeit Karls VI. war es nur wenigen privilegierten Juden erlaubt, in Österreich zu leben, und jüdische Abstammung galt noch als arger Makel. Ob der matrikelführende Pfarrer davon wußte, bleibt offen; ganz ohne Grund wird er aber die Frömmigkeit der Verstorbenen nicht so betont haben. Es ist aber festzustellen, daß beide Deutungen der Inschrift Schwächen aufweisen, schon allein deshalb, weil im weiten Umkreis keine vergleichbare Inschrift existiert. 5 Hermann Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit; 13. Aufl, Hannover 1992 6 Meyers Konversation slexikon, 4. Aufl., 1888, Bd. I, S 717 ff.
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 470
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 475) beim Aufgang zur Kanzel an der Wand; Zeitpunkt der Verbringung unbekannt, wahrscheinlich durch Kerschbaumer. (vgl. Nr. 25)
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoMartin Schachermayer – März 2025
11. KELLERMAIER Grabplatte (Epithaph)
StandortNordseite der Kirche außen, östlich vom Nordtor aufgestellt.
MaterialDunkelroter Marmor
Größe- - -
TextAnno Dm MDXX ... obiit vnb. vir Wolfgangus Kellermier.
eius aia Deo vivat
(nach Baier)
(ein Priester im kirchlichen Ornat, mit dem Kelch in der Hand)
AnmerkungNach Kerschbaumer die Grabstätte des Wolfgang Kellermeier, Benefiziat an der Pfarrkirche; die Inschrift war schon zu Kerschbaumers Zeit „größtenteils verwischt“.
„In den Urkunden erscheint sein Name bis 1528“; Kerschbaumer gibt aber keine Quelle an.
Der Grabstein wurde 1945 stark beschädigt, erhalten ist weniger als die Hälfte des Steines. (Text: vnb. = venerabilis, aia = anima)
LiteraturKerschbaumer 2, 338; Biack 2, 475
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 475) im nördlichen Seitenschiff „hart am vierten Pfeiler, worauf die Vorderseite des Chores ruht“; Zeitpunkt der Verbringung unbekannt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
12. WISENTAUER Grabplatte (Epitaph)
StandortMarienkapelle
MaterialDunkelroter Marmor
Größe200 x 95 cm
TextAnno. dñi. mccccLxxxvii. O= biit. hon. pr. dñs. Fridericus. Wisentawer. capellan… scti. Marie. Magdalena.
ip…die. sci. Alexij. cûs. aia. d'o. vivat.
Übersetzung: Im Jahre des Herrn 1487 starb der ehrwürdige Priester Herr Friedrich Wisentauer, Kaplan (am Altar) der hl. Maria Magdalena … am Tag des hl. Alexius (= 17. Juli). Seine Seele lebe in Gott.
Der Text beginnt links oben und läuft im Uhrzeigersinn am Rand des Steines herum. (In der oberen Hälfte ein Kelch, in der unteren ein Wappen, waagrecht übereinanderliegende Rauten.)
AnmerkungFriedrich Wisentauer war Benefiziat am 1418 gestifteten Maria-Magdalena-Altar; dieser stand höchstwahrscheinlich in der heutigen Marienkapelle, linkes Seitenschiff. Die Stiftung war laut Benefiziatenamtsvertrag von 1598 gesichert. 1486 war Herr Friedrich Wisentawer Mitglied der Gottsleichnamszeche. Biack (2, 449) nennt zu 1449 einen Wisentauer als „Schaffer“ (Wirtschaftsführer) der Pfarre.
LiteraturKerschbaumer 1, 475; Kerschbaumer 2, 339
Frühere StandorteDer Stein lag im linken (nördlichen) Seitenschiff der Länge nach direkt an der Wand, die Unterkante 390 cm von der linken Portalkante des Nordportals entfernt. Er wird schon bei Baier genannt, der auch den Text überliefert; ebenso nennt ihn Kerschbaumer in dieser Lage. Als nach 1950 zwei Beichtstühle an der Wand errichtet wurden, blieb der Stein darunter liegen, wurde wegen dieser Überbauung 1979 nicht entfernt und galt als verschollen. Als bei der Ausmalung der Kirche 1999 die Beichtstühle weggerückt wurden, entdeckte man den Stein wieder. Pfarrer Aichinger ließ ihn herausnehmen und in der Mar ienkapelle rechts aufstellen. Da sich bei der Hebung der Platte auch nicht die Spur eines Grabes fand, dürfte sich die Grabstätte des Benefiziaten an einer anderen, wohl besser zugänglichen Stelle in der Kirche befunden haben. Wahrscheinlich legte man 1835, als man die Kirche mit Kehlheimer Platten auslegte und viele Steine entfernte (vgl. Kerschbaumer 2, 341), diesen Stein an deren Ra nd der Kirche, von dieser Verlagerung stammen auch die Sprünge in der unteren Hälfte der Platte.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoMartin Schachermayer – März 2025
13. HOHENRIEDER Grabplatte (Epithaph)
StandortIm nördlichen Seitenschiff bei den Beichtstühlen, etwas entfernt von der Wand
MaterialMürber weißlicher Sandstein
GrößeCa. 50 x 100 cm
TextBaier las noch folgende Reste:
Allhier Liegt Begraben
Des Edlen Vesten Herrn
Ferdinand Hohenrieder
Kay: Salts Versilberer in Tulln……
AnmerkungDie Aufschrift war schon zu Kerschbaumers Zeiten fast ganz verlöscht, eine Jahreszahl nicht feststellbar.
Möglicherweise (wegen des Genitivs) die Grabstätte von Hohenrieders Frau.
LiteraturKerschbaumer 2, 339; Biack 2, 469
Frühere StandorteDer Stein liegt in situ (schon Kerschbaumer 1, 475). Bei der Entfernung des Steines Nr. 12, Wisentauer, fand sich dieser Stein, im rechten Winkel zur Wand liegend, und von der Mauer ca. 80 cm abgerückt.
Von der Aufschrift war nichts mehr erkennbar. Der Stein wurde daher nicht entfernt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoJohann Baumüller – März 2025
14. GRAFF YACOB Grabplatte (Epitaph)
StandortNordseite der Kirche außen, östlich vom Nordtor aufgestellt
MaterialRot-weiß gesprenkelter Marmor
Größe175 x 80 cm
TextAno Dni 1524 jar starb der wollgebor Graff Yacob am XXI Tag des Kristmanet. Ain Graff iber all Graffen, avs Clain (?) Egipten dem Got genat.
(Darunter ein nur eingeritztes Wappen: ein Hirsch, nach links gewendet; darüber die Wappenzier: ein Hirschkopf, nach rechts gewendet mit Stangen)
AnmerkungDer Stein entspricht in Form und Text (Zeile 1 3) einem typischen, wenn auch etwas konservativen Grabstein des frühen 16. Jahr hunderts. Rätselhaft bleiben die Zeilen 4 und 5, was schon Kerschbaumer aufgefallen ist. Der Titel "Wohlgeboren" kommt im frühen 16. Jahrhundert nur mehr einem adeligen Herren, nämlich einem Mitglied des Herrenstandes, zu; somit wäre der Stein für einen Fr eiherrn gesetzt. Eine Adelsfamilie mit dem Namen "Graf' gibt es aber nicht. Sollte aber "Graf' als Titel gemein sein, so wäre das Fehlen des Familiennamens nicht nur höchst unüblich, sondern für ein Grabdenkmal der glatte Widerspruch. An wen sollte denn de r Stein erinnern, wenn der Name nicht draufsteht? Der Sinn der Zeilen 4 und 5 bleibt unbekannt; möglich ist eine Anspielung auf die Jakobsgeschichte des Alten Testamentes: Jakob hatte 12 Söhne und verbrachte sein Alter in Ägypten. Vielleicht konnten die Ze itgenossen aus dieser Anspielung den Familiennamen erkennen wir nicht mehr. Es ist auch an die Möglichkeit zu denken, dass mit "Graff" ein bürgerlicher Familienname gemeint ist; wenn der Namen umdreht wird ("Jakob Graf" wird zum "wohlgeborenen Graf Jakob "), entsteht ein sonderbares Wortspiel: Jakob wäre dann das Familienoberhaupt der Familie Graf und Klein Ägypten eine Ortsangabe, deren Sinn uns nicht mehr zugänglich ist. Gegen diese Überlegung sprechen aber erstens die Verwendung des Titels "Wohlgeboren" sowie die Tatsache, daß es in Tulln keine Familie Graf gibt (vergleiche Die Meinung Biacks, daß dies der Grabstein eines Zigeunerhäuptlings sei, ist ein völliger Unsinn. Erstens mußte man, um in der Kirche begraben zu werden, Mitglied der bürgerlichen Oberschicht oder des Adels sein, und zweites hat diese Behauptung keine Tradition, denn sie kommt weder bei Baier noch bei Kerschbaumer vor.
LiteraturKerschbaumer 2, 339; Biack 2, 471
Frühere StandorteUrsprünglich am Westende des nördlichen Seitenschiffes an dem mit der Turmwand verschmolzenen Hauptpfeiler; Zeitpunkt der Verbringung unbekannt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
15. DANTL Grabplatte (Epitaph)
StandortMarienkapelle
MaterialGrauer Sandstein
Größe190 x 75 cm
TextHier liegt begraben Der Edl Veste Herr Mathias Dantl
gewester des Innern Ratts Und Preimaister Alhier
Welicher in Gott Entschlaffen Den 2. Martiy Anno 1702.
Dem Gott eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle. Amen.
Zum Ewigen Gedechtnus Hat Dessen Hinterlassene
Eheconsortin Frau Katharina Dantlin ... Eine
Schrift Hieher setzen lassen. Was du nach meinem
Dott o Mann zur Gedechtniß ... Mir gethan
……………………………………
…………………………………….
Da lebst Du und Ich Nit Mer
Vergon Ich Dir Von Herzen
Weil aber Gott nach seinem Rath
Das Urthel so gefället hat
Und Dich von mir genommen
So las Er Uns An Einem orth
Die Leiber hier, Die Seelen dort
Fröhlich zusammen kommen.
(nach Baier)
AnmerkungDer Text ist heute stark verlöscht und nur durch Baier zu lesen.
Von Mathias Dantl ist weiter nichts bekannt; eine Frau Katharina Däntl schenkte der Sebastiansbruderschaft 1719 den Betrag von 50 fl zur Anschaffung von Bruderschaftsröcken und Stöcken, zu tragen beim Gottesdienst (Wohl eine Art Vereinsuniform). (Biack 2, 280)
LiteraturKerschbaumer 2, 339
Frühere StandorteDer Stein wird bei Biack nicht mehr genannt. Er lag nach Baier und Kerschbaumer 1, 475 im nördlichen Seitenschiff in der Nähe des Einganges gegenüber dem zweiten Pfeiler.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
16. GRUBER Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe152 x 76 cm
Texthir . ligt . begrab . de . edl .
Fridreich . gruber . katari .
na. Teschi . sei . hausfraw .
die . auch . Sebastia . ph(u)ndimaschn .
elich . ghabt . den .
beiden . got . gnad . an m
v 18
(Darunter ein Wappen: ein nach rechts springendes Pferd oder Einhorn)
AnmerkungGrabstein des Friedrich Gruber und seiner Frau Katharina Teschin (auch die Lesart „Telchin“ ist möglich), gestorben 1518.
Katharina war in erster Ehe mit Sebastian Pfundinaschen verheiratet; ein anderer Sebastian Pfundinaschen, möglicherweise ein Sohn, besaß 1520/22 das Haus Hauptplatz 12 (Qu: Häuserchronik).
Bemerkenswert ist die Schreibung der Jahreszahl. Ob Beziehung zu dem Gruber von Nr. 21 bestehen, ist unbekannt.
LiteraturKerschbaumer 2, 339
Frühere StandorteDer Stein lag nach Baier und Kerschbaumer 1, 476 neben Nr. 15, galt dann bei Biack als verschollen, fand sich aber wieder und wurde 1979 in der Marienkapelle aufgestellt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
17. GEMPERLI Grabplatte (Epitaph)
StandortMarienkapelle
MaterialRoter Marmor
Größe135 x 95 cm
TextHic jacet Gregorius Gemperlij,
natione Helvetus, servitiis Austriacus,
miles cataphractus, cui mors bellica
sub August. Rom. Imperatoribus Leopoldo,
Josepho et Carolo VI per 24 annos nihil
inferre potuit. civilis tamen sub sereniss.
Hunnorum regina Maria Theresia regio
salis praefecto ints. Senatori vero Tulnensi
in anno vitae eripuit. Et est pie defunctus,
postquam vixisset 66 annos
1. Julii anno 1745.
ÜbersetzungHier liegt Gregor Gemperli, seiner Herkunft nach ein Schweizer,
seinen Diensten nach ein Österreicher, ein gepanzerter Soldat; ihn,
der unter den römischen Kaisern Leopold, Josef und Karl VI. 24 Jahre diente,
konnte der militärische Tod nicht töten. Der zivile (Tod) jedoch riß ihn,
der unter der Königin der Ungarn Maria Theresia königlicher Salzpräfekt
und wirklicher innerer Rat von Tulln war, im .... Jahr (seines) Lebens hinweg.
Er starb fromm, nachdem er 66 Jahre gelebt hatte, am 1. Juli des Jahres 1745.
AnmerkungDer Schweizer Gemperli wurde ca. 1679 in Magdenau bei St.
Gallen geboren, diente als Panzersoldat oder Panzerreiter (Kürassier) noch
unter Kaiser Leopold I., + 1705, dann unter Josef l. und Karl VI. Er war 24 Jahre
Soldat, dann Haushofmeister beim Grafen Kuefstein in Viehofen, ab 1723 Wirt
zum Goldenen Löwen in St. Pölten und wurde dann kaiserlicher Beamter, als
solcher „Salzversilberer“, also Vorstand des kai serlichen Salzamtes in Tulln.
Dieses Amt hatte den Vertrieb der Monopolware Salz zu organisieren; es galt
als das ranghöchste in Tulln. Gemperli wurde außerdem Mitglied des inneren
Rates (wenn die Abkürzung „ints“ von Kerschbaumer richtig gelesen ist).Mari a
Theresia heißt Königin von Ungarn („der Hunnen“), weil ihr Mann damals noch
nicht römischer Kaiser war.
Gregor Gemperli und Marianna kaufen 1739 das Haus Rathausplatz 7
(KN 78) um 7000 fl. Seine Frau führt das Wirtshaus „Zum Schwarzen Adler"; Gemperli mu
ß auch um 100 fl die Konzession („den Schild“) des Gasthauses
„Zum Weißen Löwen“ aufkaufen, damit es nicht zu viele Wirtshäuser gebe. Das
Haus KN 78 behält die Salva Guardia, leistet aber trotzdem Quartier und
Vorspann.
Gemperli besitzt auch das Haus Karne
rgasse 5 (KN 27), das er ebenfalls 1739
erwirbt. 1756 geht der Besitz an Josef Petz über; der Sohn Ignaz Ernst
Gemperle, k. k. Postmeister in Strengberg, ersteigert 1755 das Haus Wiener
Straße 18 (KN 6) und wird später ebenfalls Salzversilberer in Tulln. ( Tullner
Häuserchronik)
Der Stein ist völlig abgetreten und gänzlich unleserlich; er ist
nur durch die Jahreszahl 1745 in der letzten Zeile zu identifizieren. Deshalb
muß man sich auf Baiers und Kerschbaumers überlieferten Text verlassen;
all erdings fehlt bei den Worten „in anno vitae“ die Zahl. Im Text wird „mors
bellica" dem „mors civile“ gegenübergestellt.
LiteraturKerschbaumer 2, 339; Biack 2, 469
Frühere StandorteUrsprünglich (Baier, Kerschbaumer 1, 476) in der Mitte des südlichen Seitenschiffes, seit 1979 in der Marienkapelle.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoMartin Schachermayer – März 2025
18. GERSTENECKER Grabplatte (Epitaph)
StandortWestseite der Kirche außen, südlich vom Haupttor eingemauert. Der Stein wurde 2001 restauriert.
MaterialRoter Marmor
Größe230 x 125 cm
TextHie bei ligen begraben
die Gerstenegker Ir hausfraun Irre Kinter
und das gantz geslacht
den got allen genaedig sey.
Martinus Gerstenegker vitric.
huj eccle. obiit mcccccxi
(In der Mitte ein Wappen, das eine Gerstenähre enthält)

Übersetzung: vitricus huius ecclesiae obiit mcccccxi – Kassenverwalter dieser Kirche, er starb 1511.
AnmerkungDer Stein deckt e einst die Familiengruft der Gerstenecker;
Martin war Rechnungsführer der Kirche beim Umbau Ende des 15. Jh. Die
Familie Gerstenecker (Schreibweise verschieden) gehörte im 15. Jh. zum
Tullner Patriziat. 1428 war Hans Gerstenecker Stadtrichter, 1440 dessen Sohn
Martin. Dessen Bruder wird 1455 als Stadtschreiber genannt, und 1490 wird
Martin d. J., Sohn des Martin, ebenfalls Stadtrichter. Dieser leitet auch 1486 bis
1511 den Umbau der Pfarrkirche St. Stefan. 1573 erhält Michael Gerstenecker,
Bruder von Marti n d. J., das von Richter und Rat gestifteten Benefizium am St.
Nikolaus Altar; er war Baccalaureus artis (= der niedrigste akademische rad)
Die Familie Gerstenecker besitzt spätestens seit Beginn der Grundbesitzauf
zeichnungen 1475 das Haus Hauptplatz 21 (KN 102), ein zweigeschossiges
Haus mit Kern aus dem 13. und dem 16. Jh. 1519 geht der Besitz an den
Stadtrichter Leopold Stamphl über. (Tullner Häuserchronik)
LiteraturMittheilungen der Central-Commission 1875, 82. Kerschbaumer 2, 339; Biack 2, 470
Frühere StandorteDer ursprüngliche Standort („Familiengruft“) ist unbekannt. Nach Baier und Kerschbaumer 1, 476 am heutigen Standort bereits eingemauert.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
19. LANGENAUER Grabplatte (Epithaph)
StandortWestseite der Kirche, links vom Haupttor eingemauert
MaterialRoter Marmor
Größe230 x 125 cm
TextSebastiano Langenawr ulmor ul
causidico Spectat(a)e fidei ac industri(a)e
repentina vi morbi extincto Dorothea
Uxor amantissimo coniugi merens
posuit vixit annos xxxvii obiit
anno a christo nato Mcccccxxxi
Mennsis apprillis die xxi
Mors ultima linea rerum

Übersetzung: Sebastian Langenauer, Rechtsanwalt ..., von erprobter Zuverlässigkeit und Fleiß, der durch plötzliche Krankheit hinweggerafft wurde, dem geliebtesten Gatten setzte die Gattin Dorothea dieses Monument nach Verdienst. Er lebte 37 Jahre, starb im Jahre n. Chr. Geburt 1531 im Monat April am 21. Tag. Der Tod ist die letzte Grenze der Welt.
Die Wörter ulmor ul sind nicht zu deuten; aber es ist nicht sicher, daß die Buchstabenfolge wie angegeben lautet, da die Platte dort beschädigt ist. Vom lateinischen Wortstamm her kann ulm nur Ulme heißen, was keinen Sinn ergibt. Die zweit e Möglichkeit ist, die Buchstabenfolge mit der Stadt Ulm an der Donau in Verbindung zu bringen; dies ergäbe zwar einen Sinn (Langenauer würde dann aus Ulm stammen), doch ist die weitere Buchstabenfolge wegen der Beschädigung schwer in eine passende Form zu bringen. Immerhin gibt es aber einen zweiten Grabstein eines Fremden, der in Tulln gestorben ist (Hann, Nr. 25); der Name Langenauer kommt auch in der Tullner Häuserchronik nicht vor.
AnmerkungDie Inschrift endet mit dem Zitat aus Horaz, ep. I 16, 79. Das Wappen zeigt zwei Hühner im Nest. Von Langenauer ist weiter nichts bekannt.
LiteraturMittheilungen der Central-Commission 1877, S. 87
Kerschbaumer 2, 339; Biack 2, 470
Frühere StandorteUrsprünglich am äußeren Strebepfeiler des Presbyteriums, zunächst der Marien- („Josefi-“) Kapelle, also an der nördlichen Außenwand der Kirche (Baier, Kerschbaumer 1,476). 1835 am heutigen Platz eingemauert. 2001 restauriert.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
20. VERDENBERG Grabplatte (Epithaph)
StandortWestseite der Kirche außen, links vom Haupttor eingemauert.
MaterialHellroter Marmor
Größe230 x 125 cm
TextMONVMENTVM
FAMILIAE ILLVSTRISSIMORVM DD (DOMINORVM) 
BARONVM DE VERDENBERG ET
GRAVENEGG, D(OMINORVM) IN IVDENAV (ETC) 
SVMPTIBVS
IOANNIS PETRI LIB(ERI) BARONIS DE 
VERDENBERG; D(OMINI) IN IVDENAV;
EXTRVCTVM ANNO MDCLIII
ÜbersetzungGrabmal der Familie der hochedlen Herren, der Herren Barone von Verdenberg und Grafenegg, Herren in Judenau usw. Auf Kosten von Johannes Peter, Freiherrn von Verdenberg, Herrn von Judenau, im Jahr 1653 errichtet.
AnmerkungDer Grabstein besteht aus zwei Teilen: der obere enthält das Wappen, der untere die Inschrift.
Die Freiherren (später Grafen) von Verdenberg waren treue Parteigänger des Kaisers und aktive Verfechter der Gegenreformation. Ein Zweig der Familie erhielt daher kurz nach 1630 die Herrschaften Judenau und Grafenegg, ehemals Güter evangelischer Herren. Die Familie brachte zwar die große, aber verlotterte Herrschaft Judenau wieder hoch und baute auch das dortige Schloß neu auf (im 18. Jh. verändert), geriet aber gegen Ende des 17. Jh. in Schulden; der letzte Erbe verkaufte Judenau 1702 an Johann Adam I. von Liechtenstein. Die Kapuziner waren 1635 auf kaiserlichen Druck hin nach Tulln gekommen und errichteten hier ein Kloster samt Kirche; sie wußten sich der Freundschaft des Adels der Umgebung zu versichern, erst des bei Hofe einflußreichen Verdenberg, im 18. Jh. jener der Damen des Hauses Liechtenstein, die zeitweise in Judenau residierten.
LiteraturKerschbaumer 2, 340; Biack 2, 470
Frühere StandorteDie Grablege der Grafen befand sich ursprünglich in der Kapuzinerkirche in Tulln. Der Grabstein wurde nach Aufhebung des Klosters und Abbruch der Kirche 1816 verschleudert, in zwei Teile zerschlagen und im Gasthaus „Zum goldenen Lamm“ als Stufe verwendet, von Dechant Carl Metz dort gefunden und 1860 an der Westseite der Kirche eingemauert.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
21. GRUBER / VOLBRECHT – Grabplatte (Epitaph)
StandortWestseite der Kirche außen, südlich vom Haupttor eingemauert.
MaterialHellroter Marmor
Größe230 x 125 cm
TextVom Text liegen drei differente Angaben vor:

1) Frh. von Sacken, Archäologischer Wegweiser durch das VOWW 1878, 124 ff, samt Abbildung:

Aufschrift:
hie . leit . wilha
lm . volkeln . dr
gestarbe . ist . an
sand . lucia . tag
an . m . cccc . xxliii
auch . ligt . hir . sei
paid . hausfr .

Umschrift (Beginn links oben, im Uhrzeigersinn):
Anno . dm . mcccc . xxx /
iii . obit . honest . vir . michahel . Grueba . in . vigilia /
scti . Thome . Apost . /
hic . sepultus . eius . am a . requiescat . in . pace . + /

Sacken löst die erste Jahreszahl mit 1438, die zweite mit 1433 auf, was aber nach der Zeichnung nicht stimmt:
Volkeln 1428, Gruber 1433; die lateinischen Zahlenzeichen waren allerdings schon damals schwer lesbar.

2) Kerschbaumer las die Namen Wilhelm Volbrecht, + 1427, und Michael Gruber, + 1438. Nähere Angaben macht er nicht.

3) Heutiger Zustand: Der Stein ist so schlecht erhalten, dass eine Verifizierung kaum gelingt.

Die untere Hälfte des Steines zeigt ein Wappen mit Hunde- oder Drachenkopf samt gleicher Helmzier.
AnmerkungIm Testamentsbuch ab 1414 (STA Tulln, 3, 13) ist ein Volkeln oder Volbrecht nicht zu finden.
Michael Gruber scheint in einer Testamentseintragung 1438 auf (S 92 r): Michel Grueber, zwei Seiten testamentarische Verfügungen und Vermächtnisse, darunter 16 Pf. für ein von ihm aufgezogenes Judenkind (vgl. Biack 2, 287).

Michael Gruber besaß das Haus Albrechtsgasse 13 (KN 134). Die Witwe Margret, verheiratet in zweiter Ehe mit Stadtrichter Paul Apphalter, erbt 1456 mit ihrem Sohn Hans Gruber das Haus.

Paul Apphalter und Margret besitzen 1463 die Häuser Hauptplatz 12 (KN 90) und Hauptplatz 13 (KN 91).
Hans Gruber stiftet in der Pfarrkirche die Altäre St. Dorothea und St. Margareta; Apphalters Söhne Wolf und Stefan ziehen 1465 nach Wien.
(Tullner Häuserchronik)
LiteraturSacken, Archäologischer Wegweiser durch das VOWW 1878, mit Abbildung
Kerschbaumer 2, 340; Biack 2, 470
Frühere StandorteDer Stein war früher an den Kirchturm nur angelehnt (Baier, Kerschbaumer 1, 476).
Der Zeitpunkt der Einmauerung ist unbekannt, wahrscheinlich durch Kerschbaumer.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln“, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
22. GEIGER – Grabplatte (Epitaph)
StandortSüdseite der Kirche außen, westlich vom Eingang eingemauert.
MaterialRoter Marmor
Größe195 x 100 cm
TextQ… MIHI ... NNAS ET VOLABO
REOV... SS... PSALMO LVI

CONTEMPLARE VIATOR
MARTINUM GEIGER
NATIONE AUSTRIACUM
PATRIA [HA]INBV[RGEN]SEM
MERITIS SVIS EPISCOPUM LAM[PSA] CANVM
GRATIA SERENISSIMA C(S) [... ] EV[M]
DOCTRINA PASSA [VI] ENSIS ... SPIRITV
ALIBVS VICARIVM G[EN]ERALEM

ANIMARVM... ELO DEO ... M ... ET
(SVB) ... SEM
DIVINA [RV]M LAVDVM AL[AV]DAM [AVSTR]IACAM
QVAM CVM SVPER [C]EDRVM VIDES CRE[D]E [EVO]
LASSE EX LABORE A[D] BEAT[AM] [R]E[QVIEM]
CVI
HOC GRATITVDINIS SIGNO M ... PAT VELL
PARENTAR[V]NT
Übersetzung… und ich werde fliegen (Psalm 56).
Betrachte, Wanderer, Martin Geiger, der Abstammung nach Österreicher, nach seiner Vaterstadt Hamburger, nach seinen Verdiensten Bischof von Lampsacus.
Durch allergnädigste Gnade …
Lehre von Passau … für geistliche Angelegenheiten Generalvikar.
Der Seelen ... Gott ... und unter …
Die österreichische Lerche des göttlichen Lobes.
Wenn du sie auf der Zeder siehst, glaube, sie sei hinweggeflogen von der Mühe zur seligen Ruhe.
Dem, dem sie mit diesem Zeichen der Dankbarkeit ein Totenopfer brachten.
BiographieGeboren 1621 in Hainburg (Österreich); Domherr in Olmütz; Dekan in Linz und Hainburg; Pfarrer in Tulln; 1646–1658 Offizial und Generalvikar des Bistums Passau für das Land unter der Enns; 6.5.1668 Titularbischof von Lampsacus und Weihbischof in Passau; † 2.7.1669 in Wien; begraben in Tulln.
Geiger ist der Vorgänger von Brendt (Nr. 7).
AnmerkungDie Grabplatte wurde 1945 schwer beschädigt und ist an vielen Stellen tief abgeschlagen. Kerschbaumer bringt in seiner „Geschichte der Stadt Tulln“ den Text auszugsweise (S. 340), sodass an einigen Stellen die Ergänzung gelingt.

Textauszug bei Kerschbaumer:
„Martin Geiger, natione Austriacus, patria Hamburg. Episc. Lampsac. Suffrag. Passav. Decanus Lincen et Hamburg … Divinarum laudum alaudam Austriacam, quam cum supera cedrum vides crede evolasse ex labore ad beatam requiem. + 1669.“
Das Wappen zeigte eine Lerche auf der Spitze eines Zedernbaumes (heute völlig zerstört).

Fehlende bzw. nicht mehr nachweisbare Stellen:
– Suffrag. Passav. Decanus Lincen et Hamburg …
– Die Angabe „Psalm 56“ konnte nicht verifiziert werden.
– Das Chronogramm für 1669 ist nur in Resten erkennbar.

Zum Geburtsort: Kerschbaumer nennt Hamburg, da dies auf der Rückseite eines Porträts stand; tatsächlich war Hainburg gemeint.
LiteraturKerschbaumer 2, 340; Biack 2, 470;
Leidl, August, in: Gatz E., S. 147 (vgl. Nr. 7)
Frühere StandorteSchon bei Kerschbaumer 2, 340 an der äußeren Südseite der Kirche.
In Kerschbaumer 1 nicht erwähnt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, *Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln“*, 2003
Dr. Roderich Geyer, *Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln*, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
23. PERTL Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialHeller Sandstein
Größe190 x 103 cm
TextHier ruhet in Gott Herr Lorenz Pertl,
Der ihm vergun im Himmel sein oerthl
Er war Statt Schreiber Zweinzig Jahr,
hernach eilf Jahr Stattrichter war
Und neunundzweinzig Jahr innerer Rath,
das gemeine Wösen wohl observiret hat.
Nun geb ihm Gott das ewig Leben
und woll in Himels SaII erheben.

Er ist im Herrn entschlafen
am 24. December 1715.

Unten im Wappen: Eine Seejungfrau mit erhobenen Händen, einen Kranz tragend; der Fischleib nach rechts gewendet; darüber gleiche Helmzier.
AnmerkungPertl (auch Bertl) wurde 1685 Stadtschreiber und war 1705 bis 1715 Stadtrichter; er besaß das Haus Wiener Str. 18 durch Heirat mit Anna Langstöger, Witwe nach Simon Langstöger, oberstem kaiserlichen Leibschiffsmeister (Biack 2, 261). Von dort stammt wahrscheinlich auch das Wappen.
LiteraturMittheilungen der Central-Commission 1875, S. 82; Kerschbaumer 2, 340; Biack 2, 470
Frühere StandorteUrsprünglich an der Südseite der Kirche neben Nr. 22 eingemauert (durch Kerschbaumer?), seit 1979 in der Marienkapelle.
In Kerschbaumer 1 nicht erwähnt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
24. HARTMANN – Grabplatte (Epithaph)
StandortNordseite der Kirche außen, westlich vom Nordtor, im Stützbogen
MaterialSandstein
Größeca. 300 x 100 cm
TextHartmann bitt bettet ein an dechtiges Vatter unser
vor uns alle Verstorbene.
Dessen Ehefrau Martha den 9. Maij 1742 auch in Gott sellich entschlaffen
ingleichen dero beeden rechte Frau Tochter Maria Elisabetha Hegerad
den 19. Decemb. 1744 in Hungam zu Eysenstatt als Hochfür. Estorasische
Verwalterin.
Gott gib ihnen die Ewige Rueh. 

Das Epitaph ist 3 m hoch und gleicht eher einem Denkmal: Unten die armen Seelen im Fegefeuer, in der Mitte stehen die Heiligen Elisabeth und Katharina, darüber knien Josef und Maria, und oben thront die Dreifaltigkeit.
AnmerkungJoseph Hartmann war k.k. „Aufschlag-Mauthner“, Vorstand der k.k. Mautrevision; Martha war seine Ehefrau, +1712; und die Tochter Maria Elisabeth Hegerad, +1744 zu Eisenstadt, war Gattin eines Esterhazyschen Verwalters.

Josef Hartmann, früher Verwalter („Pfleger“) des Grafen Sinzendorf in Hagenberg, kauft 1725 das Haus Hauptplatz 2 (KN 80) sowie das Haus Karlsgasse 10 (KN 72) um 4000 fl. Er dürfte bald darauf gestorben sein, da seine Witwe Martha Jakob Hirsch heiratet und seit 1730 gemeinsam mit ihm die Häuser besitzt. Sie stirbt 1742, er 1745.

Die Tochter Maria Elisabeth heiratet Anton Hegerad. Sie stirbt 1744. 1748 kauft Hegerad die beiden Häuser und weitere Liegenschaften um 3250 fl und betreibt einen Eisenhandel. Vermutlich war er zuvor Verwalter bei Esterházy. Beim Stadtbrand 1752 erleidet er Schaden und muss Konkurs anmelden. 1759 ersteigert Anton Paul Dietmüller Liegenschaften und Eisenhandel.
LiteraturKerschbaumer 2, 340; Biack 2, 471
Frühere StandorteBei Baier und Kerschbaumer 1, 477 bereits am heutigen Standort erwähnt.

Möglicherweise stand das Grabdenkmal aufgrund seiner Größe schon immer dort. Eine Versetzung wäre technisch schwer möglich. Unklar ist, warum es in der Ecke steht und nicht in der Mitte des Stützbogens. Falls es ursprünglich im Friedhof oder an der Mauer stand, könnte es nach Schließung des Friedhofs 1785 bzw. dem Abbruch der Friedhofsmauer 1847 an den heutigen Standort gelangt sein. Quellen fehlen.

Die Grabsteine Nr. 24 und Nr. 25 stammen nicht aus der Kirche, sondern vom Friedhof.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoMartin Schachermayer – März 2025
25. HANN – Grabplatte (Epithaph)
StandortNordseite der Kirche außen, westlich vom Nordtor im Stützbogen
MaterialDunkelroter Marmor
Größe150 x 70 cm
TextZu Lob und Ehr dem Bittern Leyden und Sterben Jesu Christi,
auch zu Christlicher gedechtnuß des Ehrenvesten und Wol
tu ... emmen Herrn Wilhelbm Hann im leben gewest ...
Bürger und Gastgeb in Salzburg der willens gewesen in
Österreich zu fahrn Wein einzuhandeln aber auf dem Wasßer
in wenig Tagen erkhranckht und den 3. October Anno 1636
Abents zwischen 3. und 4. Uhr in Gott verschiden und alda
begraben worden, hat dessen hinderlassene Wittfraw disen
Stain hieher richten lassen. Deine und allen Christgläubigen
Selen Gott der Allmächtig gnädig und barmhertzig sein und
am Jüngsten Tag ein fröliche Uhrstend verleichen wolle. Amen.
AnmerkungObere Hälfte: in der Mitte ein Kruzifix, links das Wappen (ein Hahn mit Helmzier),
rechts der Verstorbene, zum Kreuz hin gewendet knieend, in zeitgenössischer Tracht.
Dahinter eine stilisierte Stadt mit vielen Türmen, rechts auf dem Berg eine Burg; vermutlich Salzburg.

Dieser Wilhelm Hann dürfte mit dem Salzburger Wirt und Hausbesitzer, Marktplatz 4, identisch sein.
Er wird dort 1635 genannt, seine Witwe vererbte das Haus 1654 ihrem dritten Ehemann.
Hann gehörte einer bedeutenden Salzburger Bürgerfamilie an, die Stadträte und Bürgermeister stellte
(Caspar, Bürgermeister 1613–1636) und weitreichende Handelsverbindungen hatte (Maximilian, zur gleichen Zeit Kaufmann in Venedig).
(Zillner F. V., Geschichte der Stadt Salzburg. Salzburg 1885, 3 Bde., Bd. III/622 ff)
LiteraturKerschbaumer 2, 340; Biack 2, 470
Frühere StandorteWahrscheinlich nach Auflassung des Friedhofes Ende des 18. Jh. hier an der Wand befestigt
und später mit Nr. 10 zu einer scheinbaren Einheit verbunden.
Bei Baier bereits an dieser Stelle genannt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises,
Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
 
26. MOLITOR Grabplatte (Epithaph)
StandortNordwand der Kirche außen, östlich vom Nordtor aufgestellt
MaterialDunkelroter Marmor
Größe210 x 90 cm
TextObere Inschrift:
VENERABILIS DOMINVS WOLFGANGVS MOLITOR DECANVS (ET) HVIVS ECCLESIAE PASTOR
OBIIT SEXTO CALEND(AS) IANVARII ANNO MDCXIIII CVIVS ANIMA DEO VIVAT AMEN

Untere Inschrift:
QVAM PRECIOSA E[S]T BON[I]TAS TVA D(OMI)NE ET FILII H[O] MINVM IN VMBRA ALARV(M)
TVARVM [POTABVNT] [DE] [F]ONTE VITAE [TE] CVM BI[BENT] ET IN T[V]O [L]VMINE [VIDEBVNT]

(Der Verstorbene ist liegend dargestellt, das Haupt auf einem breiten Polster.
Die Hände sind über der Brust gefaltet und halten ein geschlossenes Buch.
Zu seinen Füßen ein Wappenschild mit einer Lilie.)

Übersetzung Obere Inschrift:
Der ehrwürdige Herr Wolfgang Molitor, Dechant und Pfarrer dieser Kirche, starb am 28. Dezember 1614, dessen Seele (in) Gott leben möge. Amen

Übersetzung Untere Inschrift:
Sie ist eine freie Umschreibung einiger Verse des Psalmes 35:
Wie kostbar ist deine Güte, Herr, und die Söhne der Menschen trinken im Schatten deiner Flügel aus der Quelle des Lebens. Mit dir werden sie trinken und in deinem Licht (das Licht) schauen.
AnmerkungDer Stein wurde 1945 beschädigt.
Wolfgang Molitor war Pfarrer und Dechant von Tulln 1588–1597; er starb 1614.
In seinem Testament stiftete er 200 Pf. zur Wiederherstellung des „jämmerlich zerschmetterten Kirchturmes“ nach dem Erdbeben von 1590 (Biack 2, 95).
Molitor (latinisiert aus „Müller") wurde auf Auftrag des Gegenreformators Klesel nach Tulln berufen; unter ihm erfolgte die Rückführung der Stadt zum Katholizismus.
Wegen Krankheit verzichtete er 1597 auf die Pfarre und lebte im Haus Rudolfstraße 5.
Sein Barvermögen betrug bei seinem Tode 900 Pf. Liturgische Geräte widmete er der Pfarre.
Molitor bestimmte die Marienkapelle (damals Magdalenenkapelle) zu seiner Grabstätte.
Kerschbaumer gab der 1. Auflage 1874 eine Zeichnung des Grabsteines bei.
LiteraturKerschbaumer 2, 340; Biack 2, 471
Frühere StandorteNach Baier im nördlichen Seitenschiff ganz links vor der Stufe zur Marienkapelle; Kerschbaumer beschreibt ihn „an der Epistelseite der Nepomukkapelle“, die zu Molitors Zeit noch nicht bestand.
Wahrscheinlich wurde der Stein später an die heutige Stelle verbracht.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
Zeichnung Dr. A. Kerschbaumer 1. Auflage 1874
27. SCHNALZER Grabplatte (Epithaph)
StandortNordseite der Kirche außen, östlich vom Nordtor aufgestellt.
MaterialWeißer Sandstein, Aufschrift stark verwischt (schon bei Kerschbaumer)
Größe175 x 95 cm
TextHier liegt begra(b)n der edl Herr ... Hanns Schnalzer ... in Gott entschlafen .. den
XXX Tag August MDLXXII iar dem Gott der Allmaechtig immer well … gnedig
Text nach Baier; heute bis auf wenige Fragmente unleserlich, in der 2. Zeile rechts der Name SCHNALZER.
(Im Wappen ein Löwe, darüber ein Mann im kurzen Wams, bedeckt mit einer nach rückwärts hängenden Mütze, mit der Rechten eine über die Schulter liegende Haue haltend.)
AnmerkungJohann Schnalzer war ein vermögender Eisenhändler; er besaß zwei Häuser (heute Albrechtsgasse 5 und Bahnhofstraße 5, beide in bester Lage) und war oftmals Stadtrichter: 1531 - 1537 fünfmal hintereinander, dann 1541/42, 1547 - 1550, 1553 und schließlich 1555.
Er begann den Bau der „Neuen Bastei" und lieh der Stadt dazu 100 Gulden. Er starb am 30. August 1572.
Schnalzer war auch Spitalmeister; als solcher ließ er im Bürgerspital 1565 eine gewölbte „Communstube“, also einen Gemeinschaftsraum errichten und spendete dazu 90 Gulden.
Der Reichtum dürfte sich einige Zeit in der Familie erhalten haben: Der Enkel Schnalzers, Johann Fuschigg, studierte in Wien, Padua und Siena; auch der Einspruch der Stadt Krems gegen den Eisenhandel in Tulln 1592 blieb erfolglos.
Schnalzer setzte sogar sein Wappen über den Eingang zum Bürgerspital (heute im Hause Wienerstraße 19/21 erhalten).
LiteraturKerschbaumer 2, 341; Biack 2, 259 f, 307, 318, 420
Frühere StandorteIn seinem Testament bestimmte Schnalzer, daß er in der Pfarrkirche vor seinem Kirchenstuhl begraben werden sollte. Nach Baier und Kerschbaumer 1, 475 lag der Stein vor der heutigen Nepomukkapelle links im nördlichen Seitenschiff. Ob der Stadtrichter dort seinen Kirchenstuhl hatte, ist zweifelhaft. Die Verbringung des Steines an seine heutige Stelle geschah wahrscheinlich durch Kerschbaumer.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
 
28. RAIFFBERGER Grabplatte (Epithaph)
StandortIn der Pfarrkirche im nördlichen Seitenschiff (Johannes Kapelle)
MaterialHellroter Marmor
Größe200 x 105 cm
Text1527 am 2 tag octobris
ist der Erber man Thoman
Raiffperger purger zu tulln
unnd die ersam Agnes sein
hausfrau am 16 tag Nouem
bris lm 1521 Jar gestorben
den got genedig sey amen.
(Im Kreis unten ein Wappen, links ein Binderschlegel (?), rechts ein offener Reißzirkel, letzterer heute zerstört.)
AnmerkungDer Stein ist bei Biack nicht genannt; allerdings nennt dieser 2, 420 einen Stefan Reifberger aus Tulln, der 1544 an der Universität Wien zum Doktor der Theologie promoviert wurde und schon 1536 im Grundbuch (Haus Bahnhofstraße) als Sohn des Thomann Reifberger aufscheint. Er wurde „Grundschaffer" (Liegenschaftsverwalter) des Wiener Domkapitels.
Die Zeichnung stammt aus den „Mittheilungen der Central – Commission 1875, 82“.
LiteraturKerschbaumer 2, 341
Frühere StandorteKerschbaumer 1, 477: „Bei der im Jahre 1835 vorgenommenen Renovation der Pfarrkirche und Bepflasterung derselben mit Kehlheimerplatten wurden mehrere Grabsteine teils zum profanen Gebrauche verwendet. So befindet sich z.B. ein großer Marmorstein mit der Inschrift: Thomas Raitberger und Agnes seine Hausfrau + 1521, und mit einem Schilde, auf welchem ein Binderschlegel mit einem offenen Reißzirkel eingemeißelt ist, im Hofe der Dechantei; früher war er zur Rechten des Seiteneinganges zur Kirche auf der Evangelienseite angeklammert.“ Diese Angabe ist schon bei Baier zu finden.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
Zeichnung Central-Commission 1875, 82
29. UNBEKANNT Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle
MaterialKehlheimerplatte
Größe52 x 45 cm
TextDen ... Decembris ao ...
ist in Gott seelig entschlafen die wohledle gestrenge Frau
Point ... gebohrene …
AnmerkungDer Stein scheint weder bei Kerschbaumer noch bei Biack auf; der Text ist stark abgetreten und nur mehr fragmentarisch lesbar; vor allem fehlt ein Datum.
Der Stein dürfte bei der Kirchenrenovierung 1979 gefunden und mit den anderen Steinen in der Marienkapelle aufgestellt worden sein.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
30. DER PLANKENSTEINER Grabplatte (Epithaph)
StandortMarienkapelle, Pfarrkirche Tulln (entdeckt 1979 bei Renovierung)
MaterialRoter Marmor
Größe210 x 105 x 16 cm
Text„Anno dm m cccc lxxxx /obijt honorabilis vir dns Johannes Plankchen/stainer i kl decembris/cuius aia in deo quiescat amen“
(„Im Jahre des Herrn 1490 verstarb der ehrenwerte Herr Johannes Plankchenstainer am 1. Dezember, dessen Seele in Gott ruhen möge. Amen.“)
Beschreibung

Aus Anlaß der Kirchenrenovierung 1979 wurden aus dem Langhaus der Pfarrkirche Tulln die Kirchenbänke entfernt. Im Bereich des Mittelschiffes, nahe der Kanzel fand sich dabei ein im Estrich verlegter mächtiger Grabstein, der mit einer figuralen Darstellung und einer Inschrift versehen ist. Die Existenz von Grabsteinen unter den Kirchenstühlen vermutete bereits Kanonikus Dr. Anton Kerschbaumer in seiner „Geschichte der Stadt Tulln". Er berichtet dort auch, daß im Jahre 1835 anläßlich de r damaligen Renovierung und Pflasterung der Seitenschiffe und des Mittelganges mit Kehlheimerplatten mehrere Grabsteine zum Pflastern der Vorhalle und für profane Zwecke verwendet wurden.(1) Die nun entdeckte Grabplatte ist aus rotem Marmor gefertigt und v on bedeutenden Ausmaßen (210 x 105 x 16 cm). Sie zeigt das lebensgroße Enface Bild eines Mannes mittleren Alters in Priesterkleidung. Das bartlose runde Gesicht des Verstorbenen wird von einer kräftigen, gebogenen Nase und wulstigen Lippen beherrscht. Die großen Augen sind geschlossen, kurze Haare, in Ohrenlänge, werden durch einen krempenlosen Stumpenhut bedeckt. Über dem Chorkleid trägt der Tote einen weiten Überwurf mit heruntergeschlagener Kapuze. Den linken Arm ziert als Zeichen seiner Priesterschaft e in Manipel, der als Schmuck offenbar ein geknüpftes Band zeigt. Von den Händen, deren Finger ringlos sind, trägt die linke einen Kelch, während die rechte segnend zur Brust gehoben ist. Zu Häupten des Dargestellten weist spätgotisches Astwerk auch stilisti sch auf die durch die Inschrift gegebene Entstehungszeit der Grabplatte hin.(2) Die Figur des Dargestellten wird durch ein cirka 18 cm breites Schriftband, das am Rand der Grabplatte herum verläuft, eingefaßt . Der Text beginnt an der Kopfseite und endet in einem floralen Girlandenmotiv. In großen, sehr stilisierten und daher schwer entzifferbaren gotischen Buchstaben steht eingemeißelt zu lesen: „Anno dm m cccc lxxxx /obijt honorabilis vir dns Johannes Plankc hen/stainer i kl decembris/cuius aia in deo quiescat amen (Anno domini 1490 obiit honorabilis vir dominus Johannes Plankchenstainer i calendas decembris cuius anima in deo quiescat. Amen.“ („Im Jahre des Herrn 1490 verstarb der ehrenwerte Herr Johannes Pl ankchenstainer am 1. Dezember (?), dessen Seele in Gott ruhen möge. Amen.“) Der genaue Todestag ist trotz des scheinbar gegebenen Datums unklar. Calendas decembris “ wäre der erste Dezember, das vorgestellte i ließe auf einen Tag früher schließen, das erg äbe den 30. November. Formal ist diese Schreibweise aber falsch. Richtig müßte für den 30. November geschrieben werden „ ii kl decembris “, denn sowohl im klassischen wie im mittelalterlichen Latein wird beim Zurückzählen der namentlich genannte Tag mitgezäh lt, also: calendas = 1 Tag, 30.11. = 1 Tag, ergibt 2 Tage. Wahrscheinlich handelt es sich bei Plankchenstainers Todestag aber doch um den 1. Dezember, was hier unüblicherweise in Ziffer und Wort niedergeschrieben wurde. (3)

Biographische AngabenIm Stadtar chiv Tulln berichtet eine Urkunde vom 9. 12. 1490, daß „Herr Hanns Vaster, den man genennt hat Plankchenstainer, Caplan des heilling zwelfpotenaltar vnder dem vordern letter Inn Sand Stephans Pharrkirchen zu Tuln“ zu Ehren Gottes, der hl. Maria und des hl. Markgrafen Leopold einen Altar errichtete und für diesen neuen Altar zwei ewige Messen zu stiften gedachte. Nach seinem Tod vollzog der Stadtrat diese Stiftung und bestimmte, daß wöchentlich am Montag und am Freitag je eine Messe durch einen Kaplan zu les en wäre. Zur finanziellen Bedeckung dieses Benefiziums stiftete Plankchenstainer 1 Joch Acker und ein Holz in der Au bei Schönbichl und ein Joch Burgrechtacker in „Winkleherrn zu Newsiedl“. Diese Messen und Grundstücke sind dem jeweiligen Inhaber des Liebf rauenaltares der Pfarrkirche Tulln zugedacht, dessen Benefizium nicht ausreichend dotiert war. (4) Hiebei muß man beachten, daß Weltgeistliche damals allein yon den Einkünften ihrer Pfründen oder Benefizien leben mußten. So findet man oft reiche Priester, die verschiedene Pfründen in ihrer Hand sammelten und durch mittellose Geistliche gegen geringes Entgelt betreuen ließen, aber auch sehr viele Geistliche, die mit schlecht dotierten Benefizien ihr Dasein fristeten, was sicher wesentlich zum Niedergang des geistlichen Standes beitrug und die Reformation herbeiführte. Johannes Plankchenstainer hieß also mit seinem Vaternamen Vaster. Eine Aufstellung aus dem Jahr 1761 gibt diesen allerdings als „Hans Wiber, genannt Plankenstainer, Kaplan der Zwölfboten Stift ung“ wieder (5), wobei sicher der im Todesjahr urkundlich aufgezeichnete Name der richtige ist. In den Regesten zur Geschichte der Stadt Tulln (6) sind weder der Name Vaster, noch der Wiber oder Weber, mit Ausnahme der behandelten Persönlichkeit, zu finden . 1471 werden zweimal ein Andre Vest und seine Hausfrau Dorothea in Tulln genannt (7), doch kann man bei dieser vagen Namensähnlichkeit schwerlich auf verwandtschaftliche Bindungen schließen. Im Jahre 1299 erscheinen in Tulln urkundlich ein Weichart von Pl anchenstayn, seine Frau Diemvt und deren Söhne und Töchter (8) und 1312 wieder ein Weikart von Plankenstein und dessen Bruder Otto (9), die dem Frauenkloster Gründe in Riedenthal verkauften. Diese Plankensteiner stammen aber sicher aus der edlen Familie gl eichen Namens, deren Stammburg Plankenstein im Pielachtal (BH Melk) ist. Der letzte dieses Geschlechts war Hans von Plankenstein, der 1483 in Kirnberg an der Mank (BH Melk) ein Kollegiatstift für einen Dechanten und sechs Chorherren stiftete und nach dem T od 1484 wahrscheinlich in dessen Gruft beigesetzt wurde.(10) Auch hier wird man kaum eine Verbindung herstellen können. Hans Vaster dürfte wohl aus der Gegend von Plankenstein stammen und danach seinen Beinamen gefunden haben. Wann man die von Hans Vaster gestifteten Gründe, die durchwegs in der Umgebung Tullns südlich der Donau liegen, und dazu seine mächtige Grabplatte betrachtet, kann man wohl sagen, daß es sich bei ihm um einen wohlhabenden Menschen gehandelt haben muß. Ob er außer seinem Tullner Benefi zium noch andere Pfründen oder Güter besaß, konnte nicht eruiert werden. In Tulln jedenfalls wirkte er als Kaplan des Zwölfbotenaltares (12 Apostel Altar), eines der am besten dotierten Benefizien dieser Pfarrkirche. Die Tullner Kirche besaß zwei Lettner, von denen der hintere einen St. Michaelsaltar beherbergte (11). Lettner schieden in romanischer und auch noch in gotischer Zeit bei Dom --, Kloster und Stiftskirchen den Chor, also den Raum der Priesterschaft, von dem der Laien. Ein Lettner hatte in der Reg el ein oder zwei Durchgänge, eine über Treppen zugängliche Bühne zur Verlesung des Evangeliums Vorgänger der Kanzel und auf der Westseite einen Laienaltar. (12) Johannes Plankchenstainer kann dieses Benefizium aber nur wenige Jahre, von frühestens 1486 bis zu seinem Tod 1490 innegehabt haben. Außer seinem Grabstein blieb von Plankchenstainer nur noch die erwähnte Urkunde über die Meßstiftung zum Leopoldsaltar erhalten. Über diesen Altar ist in der herkömmlichen Tullnliteratur nichts Näheres zu finden (1 4). Dem Text der Meßstiftung zufolge dürfte er aber noch zu Lebzeiten des Plankenstainers gestiftet und errichtet worden sein, nur die finanzielle Dotation durch die Errichtung der Meßstiftung konnte Hans Vaster „bei seinen Lebzeiten ... nicht beenden“ (15 In den Wirren der Reformationszeit dürfte diese Meßstiftung dann ganz abgekommen sein, denn als sich im Jahre 1598 der Tullner Pfarrherr gemeinsam mit dem Stadtrat bemühte, aus den wenigen noch vorhandenen Besitzungen der alten Stiftungen eine neue Bene fiziatenstiftung aufzurichten, wird wohl unter den Gründen und Stiftern auch „Hanns Plankhenstainer" genannt (16), doch der Name und Begriff der Stiftung zum Leopoldsaltar ist bereits verloren gegangen. In einer „Summarischen Haupttabelle“ des neuen Benef iziates aus dem Jahre 1761 (17) war man bereits der Meinung, das „Hans Wiber, genannt Plankensteiner, Kaplan des Zwölfboten Altars“ die damals noch bekannten Grundstücke zur Vermehrung seines eigenen Benefiziums gestiftet hatte. Die Grundstücke sind mit denen der Leopoldsstiftung ident, einige fehlen allerdings bereits. Namentlich bekannt, wenn auch großteils nicht mehr vorhanden, waren noch ein Joch Weingarten zu Tulbing (1526 nach Göttweig verkauft), 3/4 Weingarten am Freundorfer Berg (in den Rechnungen nicht mehr vorhanden), der Krautgarten in Tulln (vom Wasser weggerissen) und sechs Joch Äcker im Schönbichler Feld (18). Wieweit diese Äcker sich noch im Besitz der nach wie vor bestehenden und durch die Stadtgemeinde verwalteten Benefiziatenstiftung befi nden, wurde nicht verfolgt, es wäre aber durchaus möglich, daß Hans Vaster, genannt der Plankchenstainer, auch heute noch durch seine Stiftung das Tullner Benefiziat unterstützt.
Anmerkungen

(1) Anton Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, S. 477 

(2) Pevsner - Honour - Fleming, Lexikon der Weltarchitektur, München 1971; S.34: zwischen 1480 und 1525 als stilistisches Element nachweisbar, 

(3) Freundliche Auskunft von Dr. Elisabeth Springer, HHST Archiv Wien; 

(4) publiziert bei Anton Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, Regesten Nr. DLXXXIX; erwähnt auch bei Biack, Geschichte der Stadt Tulln, Tulln 1966, S. 286; 

(5) Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Tulln 1874, S. 234 ff; 

(6) Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, S 313 ff; 

(7) Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, Regesten Nr. DLXV und DLXVIII; 

(8) w. o., Nr. CXVI; 

(9) w.o., Nr. CLXI; 

(10) Handbuch der historischen Stätten Österreichs, I, Stuttgart 1970, S. 352, S.470; 

(11) Biack, Geschichte der Stadt Tulln, Tulln 1966, S. 421 Anmerkung; 

(12) Pevsner - Honour - Fleming, Lexikon der Weltarchitektur, München 1971, S. 349; 

(13) Biack, Geschichte der Stadt Tulln, Tulln 1966, S. 421 Anmerkung; 

(14) w. o., S. 286; 

(15) Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, Regesten Nr. DLXXXIX; 

(16) w. o., S. 231; 

(17) w. o., S. 232 ff; 

(18) w. o., S. 234 f;

LiteraturKerschbaumer, Geschichte der Stadt Tulln, Krems 1874, S. 477 ff.
Biack, Geschichte der Stadt Tulln, Tulln 1966, S. 286 ff.
Pevsner – Honour – Fleming, Lexikon der Weltarchitektur, München 1971
Frühere StandorteEntdeckung 1979; zuvor im Langhaus der Pfarrkirche unter Estrich verlegt.
QuellenangabeMitteilungen XVIII des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Neue Forschungen zur Geschichte der Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ in Tulln, 2003
Dr. Roderich Geyer, Grabsteine der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln, ungedr. 2001
Walpurga Oppeker, „Ein Grabplattenfund“, Festschrift zur Renovierung der Pfarrkirche Tulln 1979
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
31. Statue Hl. Johannes Nepomuk
StandortWiener Straße 20a, 3430 Tulln an der Donau (Westfassade der Pfarrkirche)
MaterialKalksandstein
GrößeNicht angegeben
BeschreibungSkulptur des hl. Johannes Nepomuk auf Wolkensockel, in der Linken ein Kruzifix haltend, das von einem Engel getragen wird, metallener Nimbus (Reif mit Sternen).
2. Viertel 18. Jahrhundert, ursprünglich vor der „Wasserkapelle“ an der Donaulände aufgestellt, Sebastian Gürner zugeschrieben.
BiografieJohannes Nepomuk (* um 1350 zu Pomuk/Böhmen † 20.3.1393 in Prag) war Sohn eines Amtmannes, Kleriker, öffentlicher Notar, Priester und Pfarrer von St. Gallus in der Prager Neustadt. Er studierte Rechtswissenschaft in Prag und Padua, wurde Kanonikus von St. Ägyd und am Prager Dom. 1393 gefangengenommen, gefoltert und von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt. Kult bestätigt 1721, heiliggesprochen 1729 (Festtag: 26. Mai). Patron der Beichtväter, Priester, Flößer, Schiffer, Müller und Brücken.
QuellenangabeRöm. Kath. Pfarramt Tulln St. Stephan– 1000 Jahre Pfarre Tulln-St. Stephan, S.79, 2014
FotoSusanna Talgovnyik – März 2025
32. Statue Hl. Karl Borromäus
AdresseWiener Straße 20a, 3430 Tulln an der Donau
BeschreibungKalksandstein-Skulptur auf Wolkensockel, in der Linken ein Kruzifix haltend, das von einem Engel getragen wird, metallener Nimbus (Reif).
Westfassade der Pfarrkirche; 2. Viertel 18. Jahrhundert, ursprünglich vor der „Wasserkapelle“ an der Donaulände aufgestellt, Sebastian Gürner zugeschrieben.
Biografie / BedeutungKarl Borromäus (* 2.10.1538 am Lago Maggiore, † 3.11.1584 in Mailand) stammte aus einer vermögenden adeligen Familie, besuchte die Universität zu Pavia und wurde 1559 Doktor beider Rechte. 1563 empfing er die Priester- und Bischofsweihe mit dem Titel eines Erzbischofs von Mailand. Seine Kontakte zu den vornehmsten und einflussreichsten Familien Italiens nutzte er zur Durchführung der Reformbeschlüsse des Konzils von Trient. Seine besondere Sorge galt der Priesterausbildung und der Behebung kirchlicher Missbräuche. Zur Pestzeit 1576 in Mailand organisierte er persönlich die Hilfsmaßnahmen. Er wurde 1619 heiliggesprochen.
Festtag: 4. November.
Patron der Seelsorger, der Seminare, der Salzburger Universität, des Borromäusvereines, der Borromäerinnen, der Diözese Lugano.
QuellenangabeRöm. Kath. Pfarramt Tulln St. Stephan – 1000 Jahre Pfarre Tulln-St. Stephan, S. 80, 2014
FotoMartin Schachermayer – März 2025